
Am Morgen belohnt mich ein beeindruckender Sonnenaufgang über dem Marokkanischen Binnenland, ich konnte nicht mehr schlafen. Als ich vor das Hotel trete steht mein Taxichauffeur vor der Tür. Rasch sind wir am Flughafen, dort angekommen ist alles zu, denn ich habe die Zeitumstellung wieder nicht berücksichtigt. Darf dann aber schließlich doch hinein und habe Ruhe und Zeit die kommende Route zu planen. Ziel sind heute die Kanarischen Inseln. Der Weg direkt führt mindestens 400km übers Meer nach Lanzarote, diese Route scheidet aus. Zweite Möglichkeit. Entlang der Küste bis zum Kap Juby dort dann die kürzeste Entfernung von 100 km nach Fuerteventura in Summe 600km!! Keine Reserve um einen Ausweichplatz zu erreichen sollte der Zielplatz zu sein- Scheidet auch aus. Folglich wird im Süden Marokkos noch ein Platz gesucht und dort noch einmal getankt. Meine Wahl fiel auf Tan-Tan Plage Blanche. Doch Tan Tan ist auf meiner Karte nicht eingezeichnet.
Der Flug mit Handskizze Der Flugplan dorthin war nicht einfach, doch waren alle wirklich bemüht und so ging es doch. Der Flug dorthin wieder wie im Traum, rechts das Meer links die Wüste, nun wirklich Wüste. Entlang der Küste bis zum Cap Draa, dann exakt nach Süden, nach ca 12 Min. muß vor mir eine größere Siedlung auftauchen und rechts davon muß der Flugplatz sein. Eigentlich flog ich nur nach Handskizze, wie einst beim Militär gelernt. Dem GPS und der TPC Karte habe ich nicht getraut. Dennoch war der Streifen , der die Landebahn sein sollte sowie der Sender schon von weitem zu sehen, folglich kein navigatorisches Problem (Bild Tan-Tan).
Auch hier gut verständliches Fliegerenglisch. Nach der Landung spürt man den Flair: Nun bin ich in Kolonialafrika. Gebäude aus seinerzeit, Null Infrastruktur.
Da der bestellte Sprit natürlich nicht da war (Sie hatten ja nur zwei Stunden Zeit dafür) musste ich eine andere Lösung finden, sollte die Landung hier Sinn machen. Ein Taxi anheuern geht nicht, denn es gibt keines. So ging ich zu dem Mann mit den meisten Sternen (Militär) und meinte mit selbstsicherer Stimme: I need fuel and a car to get fuel. Er meint „no problem“ aber es koste ein wenig. Mein „no problem“ habe ich bitter bereut. Als sie dann nach ca 2Stunden mit einem halbvollen !! Kanister daher kamen verlangten sie einen Preis den ich mit Dirham nicht bezahlen konnte und der Preis in Euro war noch unverschämter. Der Zufall half. In der Krisenregion Westsahara sind zwei österreichische UN Soldaten stationiert und einer war zufällig auf Erkundung wegen eines Transportfluges in Tan Tan. Der half mir mit Geld und Verhandlungsgeschick. Als ich ihn in meine Flugroute einweihte meinte er, es sei kein Problem wenn ich übern Meer umdrehen muß, ich solle ruhig nach Layoune (West Sahara) und dort sofort Kontakt mit dem örtlichen UN-Quartier aufnehmen, alles andere würde er erledigen. Als nach ca. 3 Stunden ich wieder im Flieger saß, wollte und wollte die Katana nicht anspringen. Wehrt Sie sich? Will Sie nicht übers Meer? Quatsch, der Motor weiß nicht, dass er über Wasser ist. Als Hilfe „herbeieilt“ springt sie dann doch widerwillig an. Wie? Läuft denn der Motor überhaupt rund? Ist da nicht ein anderes Geräusch? Ich habe noch ca 200 km die Küste entlang bis Tarfaya dann muß der Entschluß stehen.

Es geht wieder entlang der Küste, die immer mehr nach Westen dreht und eben beim Kap Juby wieder nach Süden ändert. (Bild Tarfaya) Dort geht’s dann mit Kurs 285° weiter ca 110km über Wasser. Kurz überlege ich ob ich einen Kreis übern Kap fliegen soll? Nein, vorwärts ist die Devise. Ich bin am offenen Meer, die Sicht ist dunstig, auch mit Hilfe von Wolkengrenzen ist kein Horizont auszumachen. So gehe ich tief, wie fast immer 1500 Fuß und fliege eigentlich nur nach künstlichem Horizont. (Bild Auf See u. Auf See_2)Die längste Zeit hatte ich Ruhe, doch plötzlich versteht mich Casa Control wieder, doch der übergibt mich bereits nach 5 Min übern Meer. Umgeschaltet auf Canary Control bin ich in einer anderen Welt. Mit perfektem Englisch und merklicher Routine koordiniert er die anfliegenden Maschinen in den Luftraum der Kanarischen Inseln. Im Gedränge der großen wird auf mich nicht vergessen. Obwohl noch über 80 km entfernt und nur 1500 Fuß hoch, werde ich identifiziert, dennoch muß ich gelegentlich Standortmeldungen durchgeben. Ab diesem Zeitpunkt ist das Meer egal. Her mit der Karte, Planänderung. Was liegt in der max. Reichweite? Erstmals Flugplanänderung auf Gran Canaria. Dann nach einer halben Stunde, Teneriffa ist locker drinnen. Flugplanänderung nach Teneriffa Nord.
Ich werde übermütig und bin in Gedanken
schon in
El Hierro, den es ist erst 4 Uhr nach meiner Zeit. Ganz in Gedanken versunken
werde ich schlampig, melde ordnungsgemäß Meldepunkt NE und E und bekomme gleich
trotz dichtem Verkehr: :“Report on
final“ Ich weiche einer aufliegenden Wolke aus und drehe in den Endanflug ABER;
Teneriffa North liegt nahe der Küste ABER in 2000 Fuß und ich fliege in 1500
Fuß. Vollgas ist die Devise. So sitze ich gleich nach der Schwelle und habe
trotzdem ich betonte, dass ich weiterfliegen möchte und nur Sprit brauche einen
endlosen Taxi vor mir. Sprit ist rasch da, aber die Formalitäten! Erstens war
mein Flugplan aus Tan-Tan der noch dazu zweimal geändert wurde verdächtig und
zweitens ließen sie mich nicht mehr starten weil El Hierro um 6 Uhr zusperrt und
ich würde erst um 18 15 dort sein.
Kurz war ich zornig, denn morgen ist
Ostersonntag und da wollte ich in Valverde (El Hierro) bei der Sonntagsmesse
sein. (Bild Teneriffa North)Aber in Santa Cruz de Teneriffa war ich auch noch
nie und diesmal will ich mir ein Quartier selbst suchen. Ich wanderte hinunter
Richtung Hafen, dann wieder in Richtung Vorstadt und blieb bei einem alten
wuchtigwürdigen außen leicht vergammelten Hotel stehen. Innen eine wahre
Augenweide, eine riesige Suite für mich und nettes weibliches Personal. Ich habe
es nicht bereut.